Doping im Radsport — alles aus?
Was macht eigentlich ein Profi-Radsportler? Ich glaube, vor langer Zeit sind diese Leute regelmäßig irgendwelche Rennen gefahren. Dabei ging es darum, möglichst schnell vom Start ins Ziel zu kommen. Besonders populär war immer eine Frankreich-Rundfahrt mit dem schön klingenden Namen Tour-de-France.
Doch das Berufsbild hat sich in den letzten Monaten dramatisch geändert. Mittlerweile geht es eher darum, in Pressekonferenzen und Interviews rumzusitzen und mit möglichst ernster Miene zu sagen, entweder:
- Ich bin unschuldig und habe nie Doping betrieben. Diese Version nenne ich die Ullrich-Methode, bei der man alternativ auch garnichts sagen oder seinen Anwalt vorschicken kann.
- Oder man schließt sich der Mehrheit der Radprofis an und gibt alles zu. Am besten gesteht man unter Tränen, welche Mittel man von welchem Arzt in welchem Jahr eingenommen hat. Dies würde ich als die Zabel-Aldag-Methode bezeichnen.
Mittlerweile frage ich mich, was der ganze Radsport-Zirkus noch soll. Allgemein gilt Doping im Profi-Sport ja als etwas verachtenswertes. Dummerweise kann man aber im Profisport eine Menge Geld machen. Und je erfolgreicher eine Sportlerin oder ein Sportler ist, desto mehr Geld fließt.
Da ist die Verlockung bestimmt groß, irgendwelche Mittelchen einzunehmen. Dies wird nicht nur für den Radsport gelten. Auch in der Leichtathletik, im Schwimmsport und den Wintersportdisziplinen wird mit großer Wahrscheinlichkeit in ähnlichem Umfang Doping betrieben, das ist jedenfalls meine Meinung.
Kann und will man etwas dagegen tun? Doping ist in den meisten Ländern (noch) nicht gesetzlich verboten. Polizei und Staatsanwaltschaft können wenig tun. Die Sportverbände können für ihre Disziplinen entsprechende Anti-Doping-Richtlinien erlassen und müssen dann durch eigene Kontrollen dafür sorgen, dass sie eingehalten werden. Dummerweise, ich erwähnte es bereits, ist im Profisport viel Geld zu verdienen — auch für die Verbände selbst. Dann kann man schon mal auf die Idee kommen, nicht allzu streng zu kontrollieren oder die eigene Kontrollen vorher anzukündigen. Könnte ich mir jedenfalls vorstellen.
Egal was die Verantwortlichen im Radsport gegen Doping getan haben — ihre Erfolgsbilanz ist nicht gerade zu bewundern. Der gute Ruf wird auf absehbare Zeit recht ramponiert sein. Zu leiden haben darunter die sauberen Fahrer, die vielleicht wirklich nie etwas eingenommen haben und denen jetzt niemand glaubt.
Mein Vorschlag an den Radsport: Macht mal ein oder zwei Jahre Pause, bis geklärt werden konnte, welche Ausmaße Euer Doping hat. Züchtet Euch ein paar neue, glaubwürdige Stars mit weißer Weste ran und lasst die wieder durch die Weltgeschichte radeln. Bis dahin werden sich nur wenige Leute für sportliche Erfolge bei Euch interessieren.
Nachtrag
Bjarne Riis hat für Freitag, den 25. Mai eine Pressekonferenz anberaumt, mal sehen, was dort gebeichtet wird.
Einen sehr interessanten Artikel zu diesem Thema habe ich bei der Wissenswerkstatt gefunden.
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Sehr gut auf den Punkt gebracht!
Ich muss zugeben, dass ich noch nie ein großer Radsport Fan war. Aber was einen momentan bewegen soll, sich diese Schmierenkomödie weiter anzusehen ist mir schleierhaft…
Mir auch. Sehr schade, wie ein so schöner Sport von Ehrgeiz und Geldgier kaputt gemacht werden kann.
Eigentlich sind diese Etappenrennen ja eine spannende Sache. Darum wäre mir auch eine Lösung lieb, bei der man wieder ein bisschen Vertrauen haben könnte. Diese Beichten sind ein erster Schritt in die richtige Richtung.
Einige Sportler geben ja vorsorglich Urin und auch Blutproben ab und lassen sie eingefrohren bei einem Notar hinterlegen. So kann man auch noch Jahre später nach Mitteln suchen, die vielleicht heute noch nicht nachweisbar sind.
Es wäre aus meiner Sicht ein guter Ansatzpunkt, wenn man alle Sportler dazu verpflichten würde.
Komplett wird man jedoch nie ausschließen können, dass die Leute dopen. Man kann aber mehr tun als zum jetzigen Zeitpunkt.
[...] meisten Beobachter sind inzwischen ohnehin ernüchtert oder hinlänglich an Enttäuschungen [...]
Jan Ullrich hat übrigens gesagt: “…ich habe niemanden betrogen…”. Nach den Geständnissen stimmt das wohl. Auch wenn er gedopt war.
@Oliver: Erstmal ein freundliches Hallo! Schön, Dich auf meinem Blog begrüßen zu können
Zum Thema ‘Ullrich’:
Das hängt ja ganz davon ab, wie Herr Ullrich für sich selbst definiert, was Betrug ist. Und wenn er diese Sache aufklären will, dann soll er Tacheles reden: Es steht der Vorwurf im Raum, er habe gedopt und damit Betrug betrieben.
Darauf gibt es zwei klare Antworten, ent weder “Ja, ich habe gedopt” oder “Nein, ich habe nicht gedopt”.
Solange er keine dieser beiden Antworten gibt, können wir alle munter spekulieren, wie es bei Ihm aussieht. Komisch, dass er das so passieren lässt.
Bleibt zu hoffen, dass dem diesjährigen Giro d’Italia ein Dopingskandal erspart bleibt. Sonst… weiß ich auch nicht mehr