Tag der Deutschen Einheit

Foto von Marco Fieber, unter Creative Commons Lizenz BY-NC (vielen Dank dafür! Thank you very much!)
Wie wir alle wissen, ist am 3. Oktober 1990 die Deutsche Wiedervereinigung vollzogen worden. Jahrzehnte der Teilung und auch der Kalte Krieg fanden damit ihr friedliches Ende.
Wenn Ihr mich fragt, ist dieser Tag und damit auch die deutsche Wiedervereinigung einer der großen Glücksfälle unserer Geschichte. Es ist einer der wenigen großen Wendepunkte, die unser Land gemeistert hat, ohne gleichzeitig einen Krieg anzufangen.
Natürlich ist nicht alles perfekt gelaufen. Aus finanzieller Sicht ist sogar vieles suboptimal gelaufen, keine Frage. Von den damals versprochenen Blühenden Landschaften gibt es noch viel zu wenige. Unmengen an Fördergeldern (etwa 1,5 Billionen Euro bis heute) sind wenig effektiv investiert worden (vgl. dazu den Podcast weiter unten).
Und der Lebensstandard in vielen Gegenden in den neuen Bundesländern, so wird vielfach behauptet, ist immer noch nicht auf West-Niveau. Viele Menschen wandern in den Westen ab und der Osten blutet aus, heißt es oft. Stimmt das? Nicht mehr in dem Umfang, wie z.B. noch vor zehn Jahren (vgl. dazu den Podcast weiter unten).
Soviel zur Schwarzmalerei. Meiner Meinung nach wird dieses, übrigens urtypisch deutsche, Negativsehen der Situation nicht gerecht. Natürlich hätte vieles besser laufen können/müssen. Aber hinterher ist man ja immer schlauer. Es gab kein Vorbild, an dem man sich hätte orientieren können.
Das war damals wohl den wenigsten klar oder man wollte es nicht hören, aber 50 Jahre sozialistische Misswirtschaft in der DDR lassen sich eben nicht in zwei Jahrzehnten wieder komplett rückgängig machen.
Ich denke viel lieber darüber nach, was wir dadurch gewonnen haben. Das war nämlich ein ganze Menge, wenn man bedenkt, dass sich die Wiedervereinigung und das Ende des Kalten Krieges nicht voneinander trennen lassen.
Die Gefahr eines Krieges zwischen NATO und Warschauer Pakt, der bestimmt auch auf deutschem Boden und mit Atomwaffen ausgetragen worden wäre, besteht nicht mehr. Deuschland ist umgeben von befreundeten Staaten, welche die Staatsgrenzen auch akzeptieren.
Die Teilung war eine Folge des Zweiten Weltkrieges und mit der Wiedervereinigung beendete Deutschland auch dieses historische Kapitel der Nachkriegszeit.
1989 waren die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in der DDR so desolat, dass schon in diesem Jahr, also vor der Wiedervereinigung, über 200.000 DDR-Bürger in die BRD auswanderten (Quelle). Es ist wahrscheinlich, dass eine selbständige, nach westlichem Verständnis demokratische DDR, nach 1989 wegen der starken Abwanderung nicht überlebensfähig gewesen wäre.
Zumal zu dieser Zeit bereits die Mehrheit der DDR-Bürger klare Hoffnungen auf die Wiedervereinigung hegte. Der Ton der Montagsdemos änderte sich. Aus “Wir sind das Volk!” wurde “Wir sind ein Volk” oder auch die Zeile aus der Nationalhymne der DDR: “Deutschland einig Vaterland”.
Hätte man den Willen dieser Menschen ignorieren sollen? Ließ sich die Entwicklung zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch in andere Bahnen lenken? Ich denke nicht. Die Regierungen von Frankreich, Großbritannien und der damaligen Sowjetunion haben es erfolglos versucht.
Helmut Kohl und die CDU forcierten massiv die Wiedervereinigung und wurden dazu mit dem Sieg bei der ersten gesamtdeuschen Bundstagswahl im Dezember 1990 belohnt. Die SPD, damals mit dem Spitzenkandidaten Oskar Lafontaine (ja, der jetzige Vorsitzende der Linken) und die Grünen, waren entschieden gegen den rasanten Kurs und verloren dadurch Stimmen. Wirtschaftsfachleute sagen heute, dass eine langsamer vollzogene Vereinigung wohl besser gewesen wäre.
Ob die Wiedervereinigung ein Erfolg war, kann man jetzt wahrscheinlich noch garnicht abschließend beurteilen. Ich glaube daran, dass man in zehn oder zwanzig Jahren zurückblickend sagen wird, dass sich die Mühen der Wiedervereinigung gelohnt haben.
Zuhören bildet, deswegen empfehle ich: Podcast NDR-Info — Das Forum: Deutsche Einheit — Einig Vaterland oder Fass ohne Boden?
[audio:http://213.200.64.229/ndr/mp3/podcast/ndrinfo_dasforum/20080930_ndrinfo_dasforum.mp3]
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